Zeitschrift “einfach JA”

„einfach JA“ – Ausgabe April/Mai 2014 mit einem Portrait von Christian Schilling

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Die Befreiung vom schlechten Gewissen, Geld zu besitzen!

Geld ist ein wichtiges Thema im Leben aller Menschen, aber leider ist es für viele ein Leben lang ein problematisches Thema. Bei meiner Arbeit des Familienstellens bemerke ich immer wieder, dass leider ein Großteil der Menschen ein sehr negatives emotionales Gefühl zum Geld hat, auch wenn sie sich dessen häufig gar nicht bewusst sind. Ich “höre”, was derjenige fühlt, wenn er “Geld” sagt, spüre seine Einstellung zu diesem Thema. Bei vielen ist ein (unbewusstes) Gefühl von Scham, Ablehnung, sogar Ekel o.a. damit verbunden, obwohl sie sich gleichzeitig mehr Geld, finanzielle Anerkennung und Gerechtigkeit … wünschen.

Ich sehe hierbei eine Übertragungskette über Generationen hinweg, die von negativen Bezeichnungen des Geld geprägt ist: Geld stinkt, es ist schmutzig, Blutgeld, Geld verdirbt den Charakter usw. Den schlimmsten und falschesten Satz habe ich für mich persönlich schon lange umgeschrieben – hier ist meine neue Version: „Lieber reich und gesund, als arm und krank“. Wer da beim Lesen ein Problem bekommt und die alte Version behalten will, der sollte unbedingt mal eine Geld-Aufstellung machen.

Diese negativen Einstellungen führe ich zum großen Teil auf falsch verstandene religiöse Weltanschauungen zurück: “Der Arme kommt eher ins Himmelreich”, “Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel” usw. Ich empfehle, mal unter Wikipedia den Begriff Bettelorden nachzulesen …

Wahrscheinlich waren solche Sprüche früher auch ein Trost für die breite Masse, die in Armut lebte und dies deshalb so gern glaubte, um sich wenigstens moralisch besser gestellt zu fühlen. Aber damit ließen sich die Menschen auch (freiwillig) besser ausbeuten …

Selbst scheinbar positive Sprüche zum Geld, wie: „Wo was ist, kommt noch was hin.“ oder „Der Teufel sch… immer auf den größten Haufen.“ erhalten durch die Verbindung von Geld mit Kot den Beigeschmack von Ekel und werden meist mit negativem (Eifersuchts-)Vorzeichen verwendet.

Leider wurden und werden diese negativen Geld-Bewertungen über Generationen weitergegeben und es formte sich eine kollektive Moralvorstellung daraus. Und diejenigen, die in DDR ohne Kirche groß geworden sind, bzw. alle, die konfessionslos erzogen wurden, sollen nicht denken, dass die 2000 Jahre Christliches Abendland an ihrem Unterbewusstsein spurlos vorübergezogen sind. Es mag sein, dass es Religiöse schwerer damit haben. Viele christliche Werte wurden aber auch vom Sozialismus übernommen bzw. gelten allgemein als “unsere Werte” – nur leider eben mit diesen Negationen des Geldes.

Wer über seine Vorfahren oder aus früheren Inkarnationen an solche Einstellungen gebunden ist oder andere Verarmungsgeschichten hat, dem empfehle ich dringend, das zu klären, um seine eigene Beziehung zu Geld wertschätzend zu gestalten. Solange “Geld” so emotional negativ besetzt ist, wird es schwer fallen, es loszulassen, damit es frei fließen kann – was uns letztlich freier macht.

Ein Ausdruck des unfreien Umgangs mit Geld ist der “Energieausgleich“. Eigentlich ist das eine Formulierung für sächliche Tauschgeschäfte: „Du tapezierst mein Zimmer und ich repariere dein Auto“. Ich erlebe es aber oft, dass der Begriff im ganzheitlichen Bereich für Bezahlung mit Geld verwendet wird. Vor lauter Angst, klar und deutlich zu sagen: „Das kostet Geld”, wird rumgeeiert.

Geld ist ein Zahlungsmittel, überwiegend geruchlos, wir benutzen es in unserem Leben normalerweise täglich, direkt als Bargeld oder indirekt per Geldkarte oder digitaler Währung – und ich hoffe, (künftig) immer mit einem freien, entspannten Gefühl. Dies wünsche ich allen Lesern.

 

Christian Schilling

Systemisch- psychologischer Berater aus Altenburg.

Tel. 03447 513497,  0174 8367945, www.familienstellen.org